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14.10.2009
„Geodynamisch“ ans Werk - Persönliches aus der Redaktion
 
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Sehr geehrte Besucherin,
Sehr geehrter Besucher,

Liebe Freunde der Geologie,
Mineralogie und Paläontologie,

Ideen stehen ja bekanntlich immer am Anfang einer Projektentwicklung. Monatelang ging ich mit „so einer Idee“ schwanger. Bedenken wechselten sich mit Begeisterungsanfällen ab. Konzeptionelle und vor allem vorauszusehende technische Probleme vergraulten mir manche Nacht. Bei einer entspannenden Fahrradtour im Sommer 2009 durch das schöne Moseltal, war aber dann der Zeitpunkt gekommen, an dem ich den Entschluss fasste an den Start zu gehen. Vielleicht beflügelte mich die Aussicht auf die imposanten Aufschlüsse und der Genuss des hervorragenden Rieslings. Was da auf mich zukommen würde, habe ich nicht wirklich abgeschätzt...

Abb. 1 (unten): Der aufgelassene Steinbruch am Weilberg im Siebengebirge. Heller Trachyttuff wurde durch eindringenden Basalt an der Kontakstelle rot “gefrittet”. Später durchschlug ein schmaler Basaltgang den älteren Basalt und weitete sich im Trachyttuff zu einem tulpenförmigen Trichter, gefüllt mit Basalt und einer tuffähnlichen Kontaktbrekzie, aus. Foto: SIMON 2006


Die Vorgeschichte
Am Anfang der Geschichte steht ein Lehrer, ein wirklich guter, charismatischer Lehrer. Gott sei Dank bin ich in meiner Schullaufbahn einem solchen begegnet und ich wünsche, dass es den heutigen Schülern auch so ergehen möge. Friedrich Zoder war damals Lehrer für Geographie und Deutsch am Ernst Kalkuhl Gymnasium in Bonn. Ich habe ihn von 1975 – 1977 erleben dürfen. Er hat es in bewundernswerter Weise verstanden den Lehrplan immer so zurechtzubiegen, dass Geologie innerhalb des Unterrichtsfaches Geographie stets ein Thema war. Die erste Exkursion, so erinnere ich mich, war ein Ausflug zum Weilberg im Siebengebirge (Abb. 1), der lag „gleich um die Ecke“. Erst Jahre Jahre später ist mir bewusst geworden, dass genau dieser Aufschluss ein Paradebeispiel, nicht nur für den tertiären Vulkanismus liefert, sondern er sehr übersichtlich das Verständnis von Veränderungen räumlicher Strukturen in geologischen Zeitspanne herausfordert und fördert. Nicht ohne Grund ist der Weilberg einer der meist besuchten geologischen Aufschlüsse der Welt und darf sicher auf keiner Deutschlandexkursion fehlen. Sie mögen mir diesen geologischen Lokalpatriotismus nachsehen. Exkursionen zur Fossillagerstätte Rott, in die Eifel und in den Hunsrück folgten. Friedrich Zoder hatte es bei den Veranstaltungen verstanden „die Steine zum Reden zu bringen“, Fossilien Ihre Lebensgeschichte erzählen zu lassen und eine vage Vorstellung von den unermesslichen großen Zeiträumen des geohistorischen Geschehens zu vermitteln. Erdgeschichte ist ja so spannend! Kurzum, nach dem Abitur war es für mich kein Thema mehr was ich denn nun studieren würde: natürlich GEOLOGIE!

Als Student legte ich in der Diplomarbeit – es handelte sich um Untersuchungen zur Geologie und Paläontologie in der Kalkeifel – ohne das damals zu ahnen, den Grundstein meines tatsächlichen beruflichen Werdeganges. In meinem Kartiergebiet befanden sich mehrere herausragende geologische Aufschlüsse, die heute in die Kategorie „schützenswerte Geotope“ zu stellen würden.

Ein Aufschluss spielte eine nicht unwesentliche Rolle bei der Festlegung einer international gültigen stratigraphischen Grenze (Unterdevon/Mitteldevon). Schon als Student war ich der Ansicht, dass die Geschichten und Lehren, die sich dem Geologen in Anbetracht eines Aufschlusses erschließen, nicht nur Insiderwissen bleiben dürfen, sondern der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollten. Diesen Wunsch erfüllte ich mir damals mit der Führung von Volkshochschulexkursionen durch die Eifel.

Der geologischen Interpretation des „Bodens“ auf dem wir stehen kommt eine herausragende Stellung hinsichtlich des Verständnisses ökologischer Beziehungen zu. Die Geologie ist neben der Mineralogie und Paläontologie die Schlüsselwissenschaft zum Verständnis allmählicher Veränderungen der physischen Umwelt und den unmittelbar katastrophalen Ereignissen. So hinterlässt zum Beispiel das Klima seine Spuren in Ablagerungsgesteinen und in der fossilen Tier- und Pflanzenwelt. Der Schlüssel zum Verständnis heutiger Prozesse liegt deshalb in der geologischen Vergangenheit. Dieser Zusammenhang erlangt in der Diskussion um den Klimawandel eine aktuelle Bedeutung.

Ich sehe darin einen dringenden Auftrag zu einer wirkungsvollen und speziell sachorientierten geologischen Öffentlichkeitsarbeit. Darunter verstehe ich alle kommunikativen Maßnahmen zur Anlage und Pflege positiver Beziehung der Wissenschaft Geologie zur Öffentlichkeit. Die Methoden sollen geeignet sein komplexe naturwissenschaftliche Information so darzustellen, dass diese auf einer möglichst breiten Fläche angenommen, verstanden werden und wirken. Eine eigenständige „Didaktik der Geologie“ hat sich in Deutschland leider noch nicht wirklich etabliert, weshalb hier ein enormer Untersuchungsbedarf besteht.

Die geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit, speziell mit dem Schwerpunkten Geologie, Mineralogie und Paläontologie soll ebenso hervorragende Beiträge zur Umweltethik leisten. In diesem Zusammenhang stehen Begriffe wie Umweltgeologie, Anthropogeologie und Kulturgeologie.

Die Webpräsenz VIA-GEOLOGICA im Stile einer Onlinezeitung soll auch mit wissenschaftsjournalistischen Methoden diesen Informations- und Bildungsauftrag dienen. News, Berichterstattungen, Einzelpublikationen und Kommentare aus allen Bereichen der Geowissenschaften werden dem Format der Präsenz ein charakteristisches Gesicht geben. Ein Augenmerk wird dabei den „Aufschlüssen“ und dem Geotourismus gewidmet. Die Redaktion wird sich bemühen, über den Tellerrand schauend, Sie mit spannenden, erfreulichen, bisweilen auch unbequemen Themen zu versorgen.

Es würde gewaltig den Rahmen dieses Vorwortes sprengen, an dieser Stelle das Konzept detailliert zu beschreiben. Ich bitte Sie daher um Geduld und gelegentlich einmal vorbeizuschauen, ob nicht neue Beiträge auf VIA-GEOLOGICA eingestellt sind. Lassen Sie sich einfach überraschen.Bis dahin mögen Sie sich gesund und munter im herbstlichen Gelände bewegen und sich einfach an der Schönheit der Natur erfreuen.

Herzlichst
Ihr

Klaus-Frank Simon

Meckenheim (Rheinland), den 14. Oktober 2009

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